Sonntag, 26. Februar 2017

Zahlen Sie zu viel für Wasser?

Zahlen Sie zu viel für Wasser?
Rechtsanwalt Martin Asmus
www.donhauser-asmus.de
Wasser bestimmt unser Leben und ist ein zentrales Verbrauchsgut in jedem Haushalt. Doch Wasser ist auch ein Geschäft und nach Schätzungen von Verbraucherverbänden zahlt nahezu jeder dritte Deutsche zu viel für sein Wasser. Woher kommt das?
Um den Verbrach zu messen, bedarf es eines Wasserzählers. Ist dieser jedoch zu groß im Verhältnis zu der Anzahl der Wohneinheiten bemessen, misst dieser technisch bedingt  zwangsläufig falsch und dies nahezu immer zum Nachteil des Verbrauchers.
Häuser bis zu 30 Wohneinheiten benötigen nur einen Wasserzähler der Größennorm QN 2,5 (Nenndurchfluss). Dies trifft auf ca. 90% aller Haushalte der Region zu. Dennoch sind bei mehr als nur einigen Häusern viel größere Zähler als benötigt mit der Bezeichnung QN 6 oder gar QN 10 eingebaut. Solche sind für Wohneinheiten von 31 bis 1.000 Parteien gedacht und finden sich trotzdem selbst in manchen Einfamilienhäuser. Die QN-Bezeichnung lässt sich dabei meist oben rechts auf der Zähleruhr ablesen.
Doch was haben solch zu groß bemessenen Zähler konkret für Nachteile? Gleich dreierlei:
1.    Machen Sie den Test. Notieren Sie sich den genauen Wasserverbrauchsstand von Ihrer Zähleruhr. Vergewissern Sie sich, dass kein Wasser im Haus mehr läuft. Füllen sie ca. 20 Liter, ohne Wasser dabei zu verschütten, direkt vom Wasserhahn in ein Messbehältnis ab. Kontrollieren Sie nun, ob die Zähleruhr auch nur genau 20 Liter verbraucht und nach dem Schließen des Wasserhahnes auch mit dem Drehen aufgehört hat. Bei zu großen Uhren ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der Flügelradzähler zu lange weiter gedreht hat und zwischen 5%-25% (21-25 Liter statt 20 Liter) zu viel von der Uhr abgezählt wurde. Auf das Jahr gesehen kann dies allein schon eine passable 3-stellige Summe für einen Haushalt ausmachen.
2.    Doch damit nicht genug. Eine solche mögliche Abweichung trifft Sie gleich doppelt, denn die Gebühren für das Abwasser werden schließlich ebenfalls anhand desselben Ablesewertes veranschlagt.
3.    Zu guter letzt verlangen die jeweiligen Stadtwerke auch höhere Grundgebühren für die größeren Wasserzähler, als es bei dem meist ausreichenden QN 2,5-Modell der Fall wäre. (jährliche Preisersparnis ca. 20,00 Euro innerhalb des Lesergebietes)
Nun stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn ein zu großer Zähler eingebaut wurde. Dazu hat sich der Bundesgerichtshof bereits mit Urteil vom 21.04.2010 (VIII ZR 97/09) geäußert: Die jeweiligen Wasserversorger sind verpflichtet, ihre Hauptwasserzähler im Interesse des Verbrauchers auf den aktuellen Stand der Technik zu halten. Es besteht damit auch ein rechtlicher Anspruch auf die Austauschung stark überdimensionierter Hauptzähler. Zudem muss der Wasserversorger beweisen, dass er eine fehlerfreie Ermessenentscheidung getroffen hat, was die Größe des jeweilig eingebauten Wasserzählers betrifft. Wurde z.B. ein Wasserzähler der Größe QN 10 in einem Haus mit nur 20 Wohneinheiten eingebaut, ist diese überprüfbare Ermessensentscheidung definitiv falsch gewesen. Schadensersatzansprüche für die letzen 3 Jahre für zu viel gezahlte Wasserkosten stehen dem Verbraucher dann auch zu.
Werfen Sie also einen Blick in Ihren Keller. Sollten auch Sie dann von einem zu großen Wasserzähler betroffen sein und Ihre Stadtwerke dennoch keinen Austausch sowie Rückzahlungen vornehmen wollen, empfiehlt es sich, rechtlichen Beistand zu suchen.

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